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05.11.2017, 18:09 Uhr

Weichtier-Beobachtungen (Schnecken und Muscheln) um den Waldhausteich

Die Verlandungszonen des künstlichen Teiches schaffen einen Bruchwald-Ersatz

Sumpf-Windelschnecke (RL-NRW: 3) auf einem verottenden Seggenblatt.
© Heike Kappes
Am Waldhausteich wurden am Rande von Pflegemaßnahmen durch das „Bündnis Heideterrasse“ in Sommer und Herbst 2017 Schnecken und Muscheln erfasst. Die Erfassung erfolgte an vier Terminen. Dabei fielen immer wieder weitere Arten auf.

Die Wildschweine verursachen am Waldhausteich durch grösserflächige Wühltätigkeit mit Aufbrechen des Oberbodens eine -aus der Sicht der Bodenfauna- massive Beeinträchtigung der Lebensraumstabilität und -qualität, so dass die Dichten der meisten Schneckenarten gering sind und viele Arten nur kleinräumig vorkommen. Möglicherweise ließe sich daher die Artenliste mittels intensiver Probennahmen noch um einige Arten verlängern (siehe z.B. „Fehlarten“).

Artenzahl, Rote-Liste-Arten und Fehlarten

Carychium minimum (RL-NRW: 3) ist typisch für dauernasse Mikrohabitate wie in der Laubstreu der Uferzone des Waldhausteichs.
© Heike Kappes
An den Ufern des Waldhausteichs und in seinem direkten Umfeld wurden 48 Arten beobachtet. Der Artenreichtum wird durch den Strukturreichtum (u.a. mit unterschiedlichen Substraten, Sedimentationsbereichen und Totholz), den umgebenden Wald, aber auch menschliche Einflüsse (wie die nahe Eisenbahnlinie und Pflanzungen im Garten) begünstigt. Die anthropogenen Störungen spiegeln sich unter anderem in der Anwesenheit dreier nicht heimischer Arten wieder („neo“ in der Roten Liste).

Fünf Arten stehen auf der Roten Liste für NRW: drei davon als gefährdet [Gekielte Tellerschnecke (Planorbis carinatus), Sumpf-Windelschnecke (Vertigo antivertigo) und Gestreifte Windelschnecke (Vertigo substriata)] und zwei auf der Vorwarnliste [Bauchige Zwerghornschnecke (Carychium minimum) und Zahnlose Windelschnecke (Columella edentula)]. Für zwei weitere, bislang aus Datenmangel unbewertbare Arten („D“ in der RL NRW) wird der Kenntnisstand zur Verbreitung erweitert [Garten-Wegschnecke (Arion hortenis) und Sumpf-Erbsenmuschel (Pisidium globulare)].

Dahingegen könnte man nach derzeitigem Stand (Zensus: 04.11.2017) die Gerippte Erbsenmuschel (Pisidium amnicum), die Gemeine Windelschnecke (Vertigo pygmaea) und das Dunkle Kegelchen (Euconulus praticola) als noch nicht angetroffene „Fehlarten“ betrachten. Die Gerippte Erbsenmuschel könnte in sandgeprägten Fliessgewässern wie dem unteren Kurtenwaldbach prinzipiell vorkommen, Vertigo pygmaea lebt durchaus in Seggenbeständen, und das Dunkle Kegelchen ist eigentlich für Sümpfe und Brüche typisch.

Interpretation des Artenspektrums und potentielle Lebensraum-Vernetzung

Teil eines Verlandungsbereichs am Waldhausteich (Sommeraspekt).
© Heike Kappes
Alle fünf Arten der Roten Liste, aber auch Pisidium globulare und einige weitere, als ungefährdet eingestufte Arten, sind typisch für Feuchtgebiete und Bruchwälder. Der künstlich geschaffene, verlandende Waldhausteich hat folglich nicht nur kleinräumige bruchwaldtypische Pflanzengesellschaften, sondern wird auch von tierischen Bruchwaldbewohnern als Ersatzlebensraum genutzt. Die Vernetzung mit weiteren Bruchwäldern erfolgt longitudinal über den Kurtenwaldbach und lateral über Wasservögel. Nahe, kleinflächige Erlenbruchwälder (Relikte?) gibt es noch im Königsforst und Kurtenwald. Diese dürften allerdings kaum Planorbis carinatus beherbergen, denn diese Art braucht etwas grössere tümpelartige Strukturen. Die nächsten großflächigen Bruchwälder mit grösseren Wasserflächen befinden sich in der nördlichen Wahner Heide.


Literatur

Kobialka H., H. Schwer & H. Kappes (2012): Rote Liste und Artenverzeichnis der Schnecken und Muscheln – Mollusca: Gastropoda et Bivalvia – in Nordrhein-Westfalen. – LANUV-Fachbericht 36 “Rote Liste der gefährdeten Pflanzen, Pilze und Tiere in Nordrhein-Westfalen, 4. Fassung” Band 2 (Tiere): 615-652. [ISSN1864-3930]

Download der Listen unter:

https://www.lanuv.nrw.de/fileadmin/lanuv/natur/arten/rote_liste/pdf/RL-NW11-Muscheln%20und%20Schnecken/RL-NW11-Schnecken-Gastropoda-endst.pdf

https://www.lanuv.nrw.de/fileadmin/lanuv/natur/arten/rote_liste/pdf/RL-NW11-Muscheln%20und%20Schnecken/RL-NW11-Muscheln-Bivalvia-endst.pdf

Der Pilzschnegel (Malacolimax tenellus) mag es hingegen gemäßigt feucht - er ist ein typischer Waldbewohner.
© Heike Kappes
PK
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