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09.01.2016, 15:48 Uhr

Schneeweiße Rückkehrer

Silberreiher auf der Heideterrasse

Silberreiher im Lohmarer Wald
© Vera Kiefer
Während wir im Rheinland tendenziell immer kürzere Zeiträume mit Schneefall und v.a. -lage erfahren, tritt eine schneeweiße Vogelart insbesondere im Winterhalbjahr immer häufiger in Erscheinung: der Silberreiher (Ardea alba).

So heißt er wissenschaftlich auch tatsächlich "Weißer Reiher", ist recht nah verwandt mit dem allseits bekannten Graureiher und von ganz ähnlicher Statur und Größe. Genau wie dieser, der noch bis in die 1980er auf der Roten Liste geführt werden musste, litt er über Jahrhunderte unter der Verfolgung durch den Menschen. Während Jäger den Graureiher aus Spaß und als Fischkonkurrent abschossen, waren beim Silberreiher v.a. die einst teuren Schmuckfedern seiner Schultern ein Beweggrund.

Graureiher im Lohmarer Wald
© Vera Kiefer
Der Graureiher konnte punktuell überleben und sich nach seiner Unterschutzstellung schnell erholen. Ob der Silberreiher ursprünglich bei uns Brutvogel war, wissen wir nicht sicher. Nun kehrt er zumindest als Wintergast zunehmend zu uns zurück. Seit ca. 10 Jahren wird er auch auf der Heideterrasse beobachtet, so z.B. in der Wahner Heide.

Der Neusiedler See zwischen Österreich und Ungarn ist einer der wenigen europäischen Standorte, wo er überleben konnte, und wo er sich Dank des Schutzes wieder stark vermehren konnte. Diese wachsenden Bestände, wahrscheinlich auch in anderen osteuropäischen Staaten, dürften der Hauptgrund für die Zunahme des Silberreihers auch bei uns sein.

Silberreiher in der Aggeraue
© Dr. Hanns G. Noppeney
Denn interessanterweise scheinen die meisten Silberreiher nach der Brutzeit nicht nach Süden, sondern nach Westen zu ziehen. So überwintern am Steinhuder Meer in Niedersachsen schon seit vielen Jahren mehrere hundert Tiere. An bayrischen, sächsischen und brandenburgischen Seen und Sümpfen werden ebenfalls seit Mitte der 1980er Überwinterer und Übersommerer festgestellt. 

In den Niederlanden ist er mittlerweile schon wieder Brutvogel. Und 2012 konnte auch der erste Brutnachweis für Deutschland in Mecklenburg erbracht werden.

Silberreiher zwischen zwei Blässrallen in der Dellbrücker Heide
© Roland Schwarz
Ob er sich auch auf der Heideterrasse vermehren könnte, ist fraglich. Denn er benötigt eigentlich größere Verlandungszonen mit Schilfgürtel und Weidengebüschen. Von diesen, ursprünglich in den Auen von Agger, Sieg oder Dhünn und mittlerweile ersatzweise in manchen ehemaligen Abgrabungsgewässern verbreitet, gibt es kaum mehr welche, die nicht gleichzeitig regelmäßigen Störungen durch Angler, Jäger oder andere "Freizeitbeschäftigte" ausgesetzt sind.   

Der Silberreiher ist übrigens immer, und nicht nur im Winter, weiß, und dies überall in seinem riesigen Verbreitungsgebiet. Silberreiher gibt es nicht nur in Europa, sondern, wenn auch häufig ähnlich punktuell wie auf unserem Kontinent, in Nord- und Südamerika, Afrika, im Nahen Osten sowie in Australien und Neuseeland. Ein echter Weltbürger also, der in unsere zunehmend graue Winterlandschaft zurückgefunden hat. 

HS
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